Rücksicht nehmen statt auf sein Recht pochen
Verkehrssicherheitskampagne „Perspektivenwechsel“ startet ab 2. November


Graz (29. Oktober 2026).- Wer im Straßenverkehr Vorrang hat, ist deshalb noch nicht sicher. Mit der Kampagne „Perspektivenwechsel – Deine Rücksicht sichert Leben” ruft das Land Steiermark ab 2. November 2026 alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, vorausschauend zu handeln und auch mit Fehlern anderer zu rechnen. Wie wichtig das ist, zeigt die Unfallbilanz 2025: 68 Menschen kamen auf steirischen Straßen ums Leben, 1.333 wurden schwer verletzt. Insgesamt verunglückten 2025 bei 5.599 Unfällen mit Personenschaden 7.057 Menschen. Als häufigste Unfallursache wurde Unachtsamkeit oder Ablenkung erfasst (31,7 Prozent), gefolgt von Vorrangverletzungen und Rotlichtmissachtungen (23,4 Prozent). An beiden Punkten setzt die Kampagne an: Wer aufmerksam und vorausschauend unterwegs ist, kann gefährliche Situationen früher erkennen und rechtzeitig auf Fehler anderer reagieren.
Ein Beispiel: Ein Autofahrer fährt bei Grün in die Kreuzung. Plötzlich kreuzt ein anderer Verkehrsteilnehmer seinen Weg, der das Rotlicht übersehen hat. Wer auch mit solchen Fehlern rechnet, kann einen Zusammenstoß unter Umständen noch verhindern. Rücksicht ersetzt dabei keine Verkehrsregeln, sie ergänzt sie.
„Hinter jeder Zahl in dieser Statistik steht ein Mensch, eine Familie, ein Leben, das sich in Sekunden verändert hat. Regeln und Infrastruktur allein reichen nicht. Sicherheit entsteht auch dadurch, wie wir miteinander umgehen. Manchmal ist es wichtiger, aufeinander Rücksicht zu nehmen, als auf seinem Recht zu bestehen”, unterstreicht Verkehrslandesrätin Claudia Holzer. „Unser Ziel ist klar: Jeder Mensch, der sich in der Steiermark auf den Weg macht, soll auch wieder sicher nach Hause kommen. Egal ob zu Fuß, mit dem Rad, dem Motorrad, dem Bus oder dem Auto.”
Provokante Botschaften, die zum Umdenken anregen
„Mein Vorrang war mir wichtiger als dein Leben.” Oder: „Aufs Handy zu schauen war mir wichtiger als dein Leben.” Mit bewusst provokanten Aussagen wie diesen startet die Kampagne am 2. November in ihre erste Phase. Die Botschaften sollen aufrütteln und deutlich machen, welche schwerwiegenden Folgen vermeintlich alltägliche Entscheidungen im Straßenverkehr haben können.
In der zweiten Phase folgt der Perspektivenwechsel: Aus „Mein Vorrang war mir wichtiger als dein Leben” wird „Dein Leben war mir wichtiger als mein Vorrang”. Und aus „Aufs Handy zu schauen war mir wichtiger als dein Leben” wird „Dein Leben war mir wichtiger als aufs Handy zu schauen”. Die zunächst negativen Aussagen werden damit bewusst ins Positive gedreht. Die Botschaft dahinter: Oft entscheidet das eigene Verhalten darüber, ob aus einer gefährlichen Situation ein Unfall wird.
Die Kampagne ist ab 2. November 2026 auf Plakaten und Citylights in der ganzen Steiermark zu sehen. Dazu kommen Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln, Online-Banner sowie Beiträge auf Facebook, Instagram, YouTube und TikTok. „Perspektivenwechsel” ist Teil des Steirischen Verkehrssicherheitsprogramms 2026+.
Was Perspektivenwechsel im Alltag bedeutet
„Es kommt darauf an, wie wir uns selbst im Straßenverkehr verhalten. Es geht nicht darum, Regeln oder den Vorrang infrage zu stellen, sondern um mehr Rücksicht und vorausschauendes Handeln. Oft sind es einfache Entscheidungen, die gefährliche Situationen entschärfen können – etwa rechtzeitig zu bremsen, obwohl man Vorrang hat. Genau diesen Perspektivenwechsel vom Ich zum Du wollen wir mit unserer Kampagne erreichen”, sagt Maria Knauer-Lukas, Verkehrssicherheitsexpertin in der Abteilung 16, Verkehr und Landeshochbau.
Recht haben schützt nicht vor Verletzungen
„Bei Unfallaufnahmen sehen wir immer wieder, dass ein Beteiligter zwar Vorrang hatte, ein Zusammenstoß durch vorausschauendes Verhalten aber möglicherweise vermeidbar gewesen wäre”, spricht Oberst Kurt Lassnig, Leiter der Landesverkehrsabteilung in der Landespolizeidirektion Steiermark, aus der Praxis. „Kontrollen bleiben wichtig, ein weiterer zentraler Punkt ist aber auch Bewusstseinsbildung. Die Verkehrspolizei investiert bis zu einem Drittel der Dienstzeit in präventive Arbeit, insbesondere auch zur Verkehrssinnbildung unserer jüngsten Verkehrsteilnehmer. Wir machen den Perspektivenwechsel für die Kinder erlebbar, indem wir zum Beispiel in Schulen den ,toten Winkel‘ bei Lkw thematisieren und die Kinder auch am Fahrersitz Platz nehmen!”
Die Unfallbilanz 2025 auf einen Blick
- 68 Tote, 1.333 Schwerverletzte: Insgesamt verunglückten bei 5.599 Unfällen mit Personenschaden 7.057 Menschen.
- 36 Prozent aller Schwerverletzten waren mit Fahrrad oder E-Scooter unterwegs (478 Personen). Sie bilden damit die größte der angeführten Gruppen, vor Moped- und Motorradlenkern (353) und Personen im Pkw (320).
- Häufigste Unfallursachen: Unachtsamkeit oder Ablenkung (31,7 Prozent), Vorrangverletzung oder Rotlichtmissachtung (23,4 Prozent) sowie nicht angepasste Geschwindigkeit (15,2 Prozent).
Über das Steirische Verkehrssicherheitsprogramm 2026+
Im Mai 2026 hat das Land Steiermark mit dem Steirischen Verkehrssicherheitsprogramm 2026+ sein viertes Verkehrssicherheitsprogramm vorgelegt. Es enthält Strategien und Maßnahmen, um die Zahl und Schwere der Verkehrsunfälle auf steirischen Straßen dauerhaft zu senken.
Rückfragehinweis:
Andreas Kreminger | Büro Landesrätin Holzer | Mobil: +43 676 8666 2169
Tel. +43 (316) 877 2169 | E-Mail: andreas.kreminger@stmk.gv.at
Graz, am 29. Oktober 2026
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