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„Zehn plus ein Jahre“ Hospiz und Palliativ Care in steirischen Pflegeheimen

Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (m.) mit Monika Benigni, HPCPH Projektleitung Hospizverein Steiermark (l.) und Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich (r.). © Fotos: Foto Fischer
Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (m.) mit Monika Benigni, HPCPH Projektleitung Hospizverein Steiermark (l.) und Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich (r.).© Fotos: Foto Fischer
Bei der heutigen Pressekonferenz blickte man in die Vergangenheit und Zukunft von Hospiz und Palliativ Care. 
Bei der heutigen Pressekonferenz blickte man in die Vergangenheit und Zukunft von Hospiz und Palliativ Care.
Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß im Gespräch mit Ingeborg Neuhold, einer Bewohnerin des Pflegeheims Erika Horn. 
Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß im Gespräch mit Ingeborg Neuhold, einer Bewohnerin des Pflegeheims Erika Horn.

Graz (12.05.2021). - Die Steiermark war im Jahre 2010 nach Vorarlberg und Niederösterreich das dritte Bundesland in Österreich, in dem das Pilotprojekt „Hospizpflege im Heim“ gestartet wurde. In Zusammenarbeit mit den Landesressorts Gesundheit sowie dem Dachverband Hospiz Österreich wurde unter der Federführung des Hospizvereins Steiermark der Qualitätsentwicklungs-Prozess innerhalb von 18 Monaten in sieben Pflegeheimen verschiedener Träger eingeführt. Nach „zehn plus ein Jahren“ nehmen bereits 62 Häuser am Projekt teil.

Bei einer Pressekonferenz am 12. Mai im Rittersaal des steirischen Landhauses blickte man zurück und in die Zukunft. Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Die Hospiz- und Palliativversorgung ist im steirischen Pflege- und Gesundheitswesen im Sinne der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung integriert. Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir allen Steirerinnen und Steirer einen flächendeckenden und gerechten Zugang zu den Möglichkeiten der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung bieten können. Wir setzen uns bei der Taskforce Pflege dafür ein, dass dieser Bereich eine Regelfinanzierung erhält“, erklärt Landesrätin Juliane Bogner-Strauß. „Ein wichtiger Baustein dabei ist das Pilotprojekt ‚Hospizpflege im Heim‘, welches wir seitens des Ressorts Gesundheit und Pflege seit dem Jahr 2010 mit dem Dachverband Hospiz Österreich sowie dem Hospizverein Steiermark zusammen umsetzen. Als politisch Verantwortliche für den Gesundheits- und Pflegebereich und in persönlicher Wertschätzung bedanke ich mich dafür bei Waltraud Klasnic, dem gesamten Team des Hospizvereins Steiermark und der Projektleiterin Monika Begnini.“

Waltraud Klasnic, Präsidentin Dachverband Hospiz Österreich sagt: „Ein Pflegeheim ist für viele das letzte Zuhause. Dort gut leben und würdig sterben zu können ist für uns als Dachverband Hospiz Österreich ein großes Anliegen. Mit 2019 haben 186 Alten- und Pflegeheime in acht Bundesländern HPCPH umgesetzt. Der Hospizverein Steiermark ist seit 10 Jahren dabei und hat bis heute 62 Häuser begleitet, Sabine Janouschek und Monika Benigni waren federführend. Hospizkultur und Palliative Care (HPC) in der Grundversorgung, also Alten- und Pflegeheimen, der mobile Pflege und Betreuung zu Hause, im Krankenhaus, wo 80 Prozent der Menschen versterben, muss uns allen in der Gesellschaft ein wichtiges Anliegen sein. In der Steiermark ist es für viele Alten- und Pflegeheime bereits Realität, in der mobilen Pflege und Betreuung zu Hause wurde mit dem Start des Projektes HiZ (Hauskrankenpflege im Zentrum) 2019 ein wichtiger weiterer Meilenstein gesetzt. Für Krankenhäuser ist es ein wichtiges Zukunftsprojekt. Für Hospizkultur und Palliative Care in der Grundversorgung ist die Umsetzung einer Regelfinanzierung genauso wichtig wie für die spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung.“

Monika Benigni, HPCPH Projektleitung Hospizverein Steiermark sagt: „HPCPH ist ein umfassender auf Hospiz und Palliative Care fokussierter Organisationsentwicklungsprozess. In diesen integriert sind Fortbildung von 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Berufsgruppen nach dem Curriculum Palliative Geriatrie und die Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum VSD Vorsorgedialog. So wird die Basis geschaffen, dass die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner zu einem guten Leben und einem würdigen, möglichst selbstbestimmten, Sterben erfüllt werden können. Daher braucht es auch besondere Fähigkeiten, um in einem Pflegeheim zu arbeiten. Neben der fachlichen Qualifikation ist eine ethische Grundeinstellung unabdingbar. Ethisch handeln heißt, den Menschen auch an seinem Lebensende mit seinem individuellen Lebensmodell zu respektieren, wertzuschätzen und zu unterstützen.“

Anita Freismuth, Heimleiterin des Caritas Pflegewohnhauses Hitzendorf erzählt von ihren Erfahrungen: „Hospiz- und Palliative Care in Pflegeheimen (HPCPH) ist bereits seit mehr als acht Jahren Kultur in unserem Haus in Hitzendorf. 2013 wurde das gesamte Team geschult, seit 2015 tragen wir das Gütesiegel. Eine würdevolle Begleitung in allen Lebenslagen ist uns seit jeher ein großes Anliegen. Mit HPCPH gelingt wohl - wenn man sich auf diesen Prozess einlässt - eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Abschiednehmen, Sterben und Tod. Durch das Einbinden aller Berufsgruppen wird auch das Miteinander im Team gestärkt. Und es wird auch sehr stark spürbar, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod ganz viel Lebendigkeit in sich birgt.“

Die 96-Jährige Ingeborg Neuhold erzählte bei der Pressekonferenz von ihren Erfahrungen: „In bin rundum glücklich! Ich bin seit drei Jahren im Pflegeheim Erika Horn, weil ich nach einer Operation zuhause nicht mehr gut zurechtgekommen bin. Im Pflegeheim bin ich rund um die Uhr in allerbesten Händen. Alle hier sind lieb und freundlich und darum bemüht, dass es mir gut geht. Und hier ist auch immer etwas los: Singen, nähen, Ratespiele erfüllen meinen Alltag – und lesen. Am liebsten Krimis, weil ich brauche die Spannung! Jeden Tag wird geturnt, da nimmt mich der Therapeut oft ganz schön her. Mein Zimmer ist wunderschön – ich bin hier wirklich rundum glücklich. Und ich fühle mich bei Weitem nicht wie 96, eher wie 60. Ich lebe auch alterslos, mache was ich kann alleine, zum Beispiel duschen, und werde überall dort wo ich es möchte und brauche bestens unterstützt. Dass es mir so gut geht hat wohl auch damit zu tun, dass ich stets humorvoll und zufrieden war und bin. Ich ärgere mich nicht! Mit Grant wird man nicht alt. Vor dem Tod habe ich keine Angst. Ich denke nie ans Sterben. Ich will nur leben und erleben, wie es mit meiner Familie weitergeht. Deswegen möchte ich, dass mir noch ein paar Jährchen geschenkt werden!“

Umsetzung von Hospiz und Palliativ Care in Pflegeheimen
HPCPH ist ein umfassender, auf Hospiz und Palliative Care fokussierter Organisationsentwicklungsprozess. Dieser sieht unter anderem die Fortbildung von mindestens 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Berufsgruppen vor. Dieses Zueinander von Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Weiterentwicklung von Abläufen in den Alten- und Pflegeheimen schafft die Basis dafür, dass die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner zu einem guten Leben und einem würdigen, möglichst selbstbestimmten, Sterben immer besser erfüllt werden können. Palliative Care wird konkret und kompetent umgesetzt. Zentrale Themen sind Schmerz als ganzheitliches Geschehen, Ethik, Rituale, spirituelle Begleitung und Demenz. Auch Gender und Interkulturalität sind wichtige Themen. Eine Hospiz-Kultur hält Einzug in die Heime.

Vorteile und Gewinn für Bewohner, Mitarbeiter und die Pflegeeinrichtungen
Die Integration von Hospizkultur und Palliative Care in Pflegeeinrichtungen hat positive Auswirkungen auf alle Beteiligten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden sensibel für das Thema Hospizkultur und Palliative Care. Durch Erfahrung und Knowhow zum Thema werden sie sicherer in ihrer Arbeit mit schwerkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen. Hospizkultur und Palliative Care findet so Eingang in den Alltagsbetrieb der Alten- und Pflegeheime. Die Hospizkultur wird leb- und spürbar! Für die Praxis bedeutet das etwa:  verbesserte Kommunikation im Heimalltag, mehr Bewusstsein, Sicherheit und Mut, gestärktes Für- und Miteinander, Mitmenschlichkeit, Lebensqualität bis zuletzt, Würde und Selbstbestimmung beim Sterben.

Hospiz-Gütesiegel
Die Steiermark ist bisher das einzige Bundesland, das ein Gütesiegel verleiht. Das Hospiz-Gütesiegel wird vom Hospizverein Steiermark nach erfolgreichem Abschluss des Organisationsentwicklungsprozesses für die Dauer von fünf Jahren verliehen. Es müssen dabei jährlich Nachweise über die Einhaltung der erforderlichen Rahmenbedingungen erbracht werden.

Weitere Informationen: Externe Verknüpfung www.hospiz-steiermark.at


Zahlen und Fakten

  • 2010 wurde in der Steiermark das Pilotprojekt HPCPH gestartet
  • 2012 war das Pilotprojekt abgeschlossen
  • 7 Häuser haben sich am Pilotprojekt beteiligt
  • 56 Häuser sind mit Stand 1. Jänner 2021 im HPCPH-Prozess
  • 65 Häuser wurden bereits durch den Prozess begleitet
  • 2013 wurde erstmals das Hospiz-Gütesiegel verliehen
  • 46 Häuser tragen zurzeit aktiv das Hospiz-Gütesiegel
  • 80 Prozent des Personals sollen mindestens geschult sein
  • 2.923 Personen wurden insgesamt bis Ende 2020 geschult bzw. nachgeschult
  • 15 Mitarbeiter umfasst das HPCPH-Projektteam

Graz, 12. Mai 2021

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