Forschungspreise des Landes Steiermark verliehen!

Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (l.) und Soziallandesrätin Doris Kampus (r). mit den Preisträgerinnen und Preisträgern der Forschungspreise des Landes Steiermark 2022: Daniel Gruss (2.v.l.), Astrid Veronig (m.), Markus Roschitz (2.v.r.).
Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (l.) und Soziallandesrätin Doris Kampus (r). mit den Preisträgerinnen und Preisträgern der Forschungspreise des Landes Steiermark 2022: Daniel Gruss (2.v.l.), Astrid Veronig (m.), Markus Roschitz (2.v.r.).© Foto Fischer

Graz, 18. November 2022 - Wissenschafts- und Forschungslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl verlieh heute im Weißen Saal der Grazer Burg die Forschungspreise des Landes Steiermark für das Jahr 2022. Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis, der Forschungspreis und der Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung sind mit jeweils 12.000 Euro dotiert und werden jedes Jahr für herausragende Leistungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung vergeben.


„Hinter den Erfolgen der Steiermark als Forschungs- und Innovationsland steht die herausragende Arbeit von Forscherinnen und Forschern an heimischen Hochschulen und Institutionen. Mit den Forschungspreisen würdigen wir ihre großartigen Leistungen. Wir wollen damit aber auch auf die Vielfalt und Qualität der steirischen Forschungslandschaft aufmerksam machen, sowie die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für uns alle ins Bewusstsein rücken", so Landesrätin Eibinger-Miedl.

Der Erzherzog-Johann-Forschungspreis wurde an Markus Roschitz vom Institut für Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz verliehen. Astrid Veronig vom Institut für Physik an der Karl-Franzens-Universität Graz wurde mit dem Forschungspreis ausgezeichnet. Der Förderungspreis ging an Daniel Gruss vom Institut für Angewandte Informationsverarbeitung an der Technischen Universität Graz.

 

Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2022 (für Leistungen, welche die politische, geisteswissenschaftliche und technologische Gesellschaftsentwicklung der Steiermark fördern):

Markus Roschitz vom Institut für Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz für die Publikation:

„Die NSDAP in der Region Schwanberg 1930-1938. Eine Mikrostudie."

Das Buch zeigt detailliert und anschaulich, wie sich die NSDAP Anfang der 1930er-Jahre im ländlichen Raum in der Südweststeiermark etablieren konnte. Der Anspruch der Forschungsarbeit besteht darin, eine modellhafte Beschreibung und Analyse einer Region in der Zeit 1930-1938 zu leisten. Große politische Entwicklungen werden anhand der durchgeführten Mikrostudie greifbar, indem das Einwirken makrohistorischer Gegebenheiten auf spezifische gesellschaftliche Strukturen mitsamt ihren Auswirkungen auf einzelne Personen und ihre Gemeinschaft in den Blick genommen werden.

Durch die angewandte mikrohistorische Methode kann nicht nur gezeigt werden, wie Überregionales tatsächlich auf lokaler Ebene umgesetzt wurde, sondern es können auch lokalhistorische Phänomene erstmals anhand der „These der politischen Ortsbekanntschaft" erklärt und in zahlreichen Beispielen durchexerziert werden. Neben dieser methodischen Innovation gilt es die Heranziehung bislang unbekannter bzw. nicht rezipierter Quellen und Bildmaterialien hervorzuheben, die neue Erkenntnisse über die konkreten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse der historischen Region Schwanberg ermöglichen.

 

Forschungspreis des Landes Steiermark 2022 (für hervorragende Leistungen anerkannter Wissenschafterinnen und Wissenschafter auf allen Gebieten der wissenschaftlichen Forschung):

Astrid Veronig vom Institut für Physik an der Karl-Franzens-Universität Graz für die Arbeit:

„Indications of stellar coronal mass ejections through coronal dimmings"

Unsere Sonne ist nicht nur die Quelle der Strahlung, die uns auf der Erde mit Licht und Wärme versorgt, sondern sie verursacht bisweilen auch energiereiche Ausbrüche von magnetisierten Plasmawolken. Diese „koronalen Massenauswürfe" bewegen sich mit Geschwindigkeiten von Millionen Kilometern pro Stunde durch unser Sonnensystem, und können bei ihrem Auftreffen elektronische Systeme auf Satelliten lahmlegen, GPS-Signale durcheinanderbringen und auch Stromausfälle auf der Erde auslösen. Auf anderen Sternen vermutet man noch viel stärkere Ausbrüche, die im Extremfall zur völligen Auslöschung der Atmosphären von den extrasolaren Planeten, die diese Sterne umkreisen, führen können. Massenauswürfe von der Sonne werden regelmäßig beobachtet und genau vermessen. Dies geschieht mit speziellen Instrumenten, die eine Art künstliche Sonnenfinsternis erzeugen. Für Sterne hingegen gibt es bisher nur spärliche Beobachtungshinweise.

In der eingereichten Arbeit haben Astrid Veronig und ihr Team eine neue Methode entwickelt, um koronale Massenauswürfe auf anderen Sternen nachzuweisen. Diese basiert auf dem einfachen Prinzip, dass der Ausstoß von Materie aus der Korona des Sterns zu einer plötzlichen Abnahme seiner ultravioletten und der Röntgenstrahlung führen sollte. Die Methode wurde an „Sonne-als-Stern" Messungen getestet und geeicht, und danach auf Beobachtungen sonnenähnlicher Sterne angewandt. Dadurch konnten insgesamt mehr koronale Massenauswürfe auf anderen Sternen nachgewiesen werden als in allen bisherigen Studien zusammen. Aktuelle Satellitenplanungen zur Untersuchung von extrasolaren Planeten und deren Zentralsternen nehmen bereits auf dieses neue Konzept Bezug.

 

Förderungspreis des Landes Steiermark 2021 (für Wissenschafterinnen und Wissenschafter unter 40 Jahren):

Daniel Gruss vom Institut für Angewandte Informationsverarbeitung an der Technischen Universität Graz für die Arbeit:

„Transient-Execution Attacks and Defenses"

„Meltdown" und „Spectre" gelten als zwei der bedeutendsten Sicherheitslücken der IT-Geschichte. Sie erlauben Angreifern alle Daten eines Systems auszulesen. Anders als bei den meisten anderen Sicherheitslücken, handelt es sich aber nicht um ein Software-Problem, das mit einem Update einfach zu beheben ist. Das Problem liegt in der Art wie moderne Prozessoren funktionieren und betrifft daher Milliarden von Computern, jeden Laptop, und die meisten Smartphones. Da die Geschwindigkeit unserer Systeme so wichtig ist, führen Prozessoren einen Code bereits aus, bevor überhaupt geprüft wurde, ob dieser Code ausgeführt werden darf oder sollte. Funktional ist das kein Problem, denn der Prozessor stellt den Fehler selbst fest und legt einfach noch einmal dort los, wo alles noch gestimmt hat. Die nun verworfene Ausführung ist also „transient", das heißt nur von vorübergehender Dauer. Diese transiente Ausführung, die Sicherheitsabfragen auf später verschiebt, erlaubt es einem Angreifer nun auf sämtliche Daten zuzugreifen und diese etwa mittels eines Seitenkanals hinaus zu schleusen.

Transiente Ausführung und damit verbundene Forschung an Seitenkanälen ist mit dieser Habilitationsarbeit zu einem zentralen Forschungsthema in der Systemsicherheitsforschung aufgestiegen. Die Arbeit wurde in nur drei Jahren verfasst und hat zentrale Beiträge geleistet um das entdeckte Sicherheitsproblem zu verstehen und einzudämmen. Insbesondere der sogenannte „KAISER-Patch", findet sich mittlerweile in quasi jedem Rechner, und verhindert erfolgreich „Meltdown", den gefährlichsten dieser Angriffe.

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