AIRlabs Austria aktiviert erstmalig Drohnentestgebiet Steinalpl

Das österreichische Innovationslabor für zivile Drohnenforschung absolviert erste Testflüge im Grenzgebiet Steiermark und Niederösterreich.

v.l.n.r.: Holger Friehmelt (technischer Direktor AIRlabs Austria), Barbara Eibinger-Miedl (Wissenschafts- und Forschungslandesrätin), Martin Payer (kaufmännischer Geschäftsführer FH JOANNEUM für die AIRlabs Austria-Gesellschafter), Roswitha Wiedenhofer (kaufmännische Geschäftsführerin AIRlabs Austria).
v.l.n.r.: Holger Friehmelt (technischer Direktor AIRlabs Austria), Barbara Eibinger-Miedl (Wissenschafts- und Forschungslandesrätin), Martin Payer (kaufmännischer Geschäftsführer FH JOANNEUM für die AIRlabs Austria-Gesellschafter), Roswitha Wiedenhofer (kaufmännische Geschäftsführerin AIRlabs Austria).© AIRlabs Austria

Graz, 17. November 2022 - Das österreichische Innovationslabor für zivile Drohnenforschung absolviert erste Testflüge im Grenzgebiet Steiermark und Niederösterreich.


Im Spätsommer 2022 wurde das Luftraumbeschränkungsgebiet Steinalpl, das sich über rund 100 Quadratkilometer gebirgiges Gebiet erstreckt, per Verordnung durch das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) verlautbart. Dank des guten Herbstwetters und der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Stakeholder:innen vor Ort, konnte AIRlabs Austria alle Vorbereitungen für den operativen Betrieb abschließen und das Testgebiet nun erstmalig erfolgreich befliegen. 

„Drohnen sind bereits heute in vielen Bereichen, wie beispielsweise dem Katastrophenschutz, im Einsatz und werden künftig im Mobilitätsbereich eine noch wichtigere Rolle spielen. AIRlabs Austria entwickelt neue Technologien im Bereich Autonomes Fliegen und leistet damit einen bedeutenden Beitrag, um die Position der Steiermark als Kompetenzregion für die ‚Mobilität der Zukunft‘ international weiter zu stärken. Davon profitieren auch die heimischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen", so Barbara Eibinger-Miedl, Landesrätin für Wirtschaft, Tourismus, Regionen, Wissenschaft und Forschung.

„Reallabore werden für den Innovationsstandort Österreich immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur um innovative Technologien und deren sicheres Testen in realer Umgebung, sondern auch um Kooperation und ein voneinander und miteinander Lernen, zum Beispiel im Bereich innovativer Legistik. Schon jetzt zeigt sich, dass wirksame Lösungen vor allem durch die Zusammenarbeit von Forschung, Industrie, Behörden und Gesellschaft entstehen", betont Henriette Spyra, Sektionschefin im Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK).

 

Testgebiet fördert Technologieentwicklung

„Das Besondere am Luftraumbeschränkungsgebiet Steinalpl sind neben der Größe auch die alpine Topografie und die vielfältigen Möglichkeiten für Drohnentests. Aus wissenschaftlicher Perspektive können hier sehr gut das Gesamtsystem einschließlich Sensorik und Datenlink, aber auch Themen wie Allwetterfähigkeit beforscht werden", freut sich der technisch-wissenschaftliche Direktor von AIRlabs Austria Holger Friehmelt. „Mit der Aktivierung beweisen wir unser Potenzial, künftig für Partner einen niederschwelligen, abgesicherten und einfach erreichbaren Zugang zu einzigartigen Testräumen zu ermöglichen", hält Roswitha Wiedenhofer-Bornemann, kaufmännische Geschäftsführerin AIRlabs Austria, fest.

Dank des neuen Testgebiets können auch spezielle Technologieentwicklungsthemen fokussiert und damit der Wirtschaftsstandort Österreich unterstützt werden. „Drohnen werden im Mobilitätsmix der Zukunft eine wesentliche Rolle im Personentransport und der Logistik spielen - vom Lufttaxi bis zum per Drohne transportierten Paket. Für die gemeinsam mit unseren Partnern entwickelten Urban Air Mobility Lösungen ist AIRlabs Austria und auch das Testgebiet Steinalpl eine wichtige Plattform zum Entwickeln neuer Lösungen und Produkte", unterstreicht FACC CEO Robert Machtlinger.

Hannes Hecher, Geschäftsführer bei Schiebel: „Die Verfügbarkeit eines großen zivilen Luftbeschränkungsgebiets für Drohnentests im Umfeld unserer Produktionsstätte Wiener Neustadt trägt wesentlich zur wirtschaftlichen notwendigen Absicherung der für die Entwicklung und die Produktion unserer Drohnen notwendigen Flugerprobung bei. In Ergänzung zur Errichtung des Luftraumbeschränkungsgebiets ist für Schiebel auch die Verfügbarkeit begleitender Forschungsinfrastrukturen, wie beispielsweise Radargeräte, von großem Interesse."

 

Testgebiet in Abstimmung mit Stakeholder:innen

Die Inbetriebnahme des Testgebiets geht auf eine mehrjährige Vorbereitungsarbeit durch AIRlabs Austria sowie einen Pionierprozess in der Umsetzung mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), Behörden sowie Stakeholder:innen zurück. So wurden Abstimmungsprozesse mit einzelnen Organisationen durchgeführt und Nutzungs- und Bewirtschaftungsvereinbarungen getroffen: Mit dem österreichischen Aeroclub wurde ein „Fair Use Agreement" unterfertigt, das eine beidseitig zufriedenstellende Nutzung des Luftraums unter Wahrung der unterschiedlichen Interessenslagen vorsieht. Mit Grundbesitzer:innen, auf deren Liegenschaften Start- und Landeareale für Drohnen vorgesehen sind, wurden Nutzungsvereinbarungen erarbeitet.

Auch die Gemeinde Neuberg an der Mürz und lokalen Forstbetriebe sind wichtige Partner von AIRlabs Austria. „Die breite Anwendbarkeit von Drohnen vor der Haustüre, beispielsweise für Feuerwehraufgaben bei Waldbränden und Sucheinsätze im unwegsamen Gelände, sind auch mit Blick in die Zukunft für uns von großer Bedeutung und wir freuen uns, dass wir als Gemeinde daran teilhaben dürfen", sagt Peter Tautscher, Bürgermeister von Neuberg an der Mürz. „Die Bundesforste sind Vorreiter in der Digitalisierung. Daher suchen wir laufend nach neuen technischen Lösungen, die uns in der forstlichen Praxis unterstützen. Als Projektpartner stellen wir daher gerne geeignete Flächen für die Testung unterschiedlicher Drohnenanwendungen zur Verfügung" erklärt Richard Höllerer, Leiter Bundesforste-Betrieb Steiermark, die Beweggründe für das Projekt.  Forstverwaltung Hoyos Kernhof: „Als Waldbewirtschafter ist es für uns wichtig, eine gute Datengrundlage über den Zustand und das Wachstum unserer Waldbestände zur Verfügung zu haben. Auch stehen wir tagtäglich vor großen logistischen Herausforderungen, um Arbeitsmaterialien und Geräte in unwegsames Gelände zu schaffen. Drohnen haben das Potenzial, die Effizienz unserer Arbeitsabläufe zu steigern. Daher sind wir als Forstbetrieb bemüht, die Forschung auf diesem Gebiet zu unterstützen, indem wir AIRlabs unsere Waldflächen für Drohnentests zur Verfügung stellen."

 

Weitere Statements zum Testgebiet Steinalpl

„AIRlabs baut unterschiedlichste Testgebiete für die Forschung und Entwicklung ziviler unbemannter Flugsysteme entlang aller Technologiegrade auf. Das ist ein First in Österreich! Wir erwarten damit einen beschleunigten Entwicklungsprozess für konkrete Anwendungen und einen echten Nutzen für die Gesellschaft, etwa in der Inspektion kritischer Infrastrukturen, im Precision Farming in der Landwirtschaft, im alpinen Gelände oder bei der Vermessung und Logistik", betont Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG. AIRlabs Austria erfüllt als Innovationslabor des Klimaschutzministeriums über den Kontext des Förderprogramms TAKE OFF hinaus auch eine wichtige Pionierfunktion als Reallabor und Leuchtturmprojekt der Kooperation der beteiligten wissenschaftlichen Partner mit der österreichischen Wirtschaft und regionalen Stakeholder:innen.

Für die Gesellschafter der AIRlabs Austria GmbH FH JOANNEUM Gesellschaft mbH, FACC Operations GmbH, Frequentis AG, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, FH Kärnten und TU Graz ist das Testgebiet Steinalpl ein wichtiger Meilenstein. Martin Payer, kaufmännischer Geschäftsführer der FH JOANNEUM, stellvertretend für die Gesellschafter: „Mit Flügen im Bereich Steinalpl ermöglichen wir interessierten Unternehmen und Institutionen, wie beispielsweise Rettungsorganisationen, Drohnenanwendungen in einer österreichweit einzigartigen Umgebung zu testen. Darüber hinaus bedeutet dies für die beteiligten Hochschulen TU Graz, FH Kärnten und FH JOANNEUM Forschungsergebnisse direkt in die Lehre einfließen lassen zu können und unseren Studierenden und Absolvent:innen spannende und zukunftsweisende Technologien und Tätigkeitsfelder zu eröffnen."

Gernot Paulus, Professor und Drohnenexperte an der FH Kärnten - Campus Villach: „Für die FH Kärnten als wissenschaftliche Gesellschafter von AIRlabs Austria bieten sich durch die Nutzung der einzigartigen AIRlabs-Infrastruktur spannende Möglichkeiten, um neue Szenarien von Drohnenanwendungen im Bereich des angewandten Umweltmonitorings gemeinsam mit Anwendungspartnern zu entwickeln. Wir nutzen moderne leistungsfähige Drohnen, die mit unterschiedlichen Sensoren für die Erfassung von in Raum und Zeit hochauflösenden Umweltdaten ausgerüstet sind, und leiten daraus automatisiert Informationen zu Umweltveränderungen oder der Wirksamkeit von gesetzten Maßnahmen ab. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Testen und der Validierung von innovativen Lösungen unter kontrollierten Bedingungen im hochalpinen Gelände zu, um damit einen echten und nachvollziehbaren Mehrwert für potenzielle Nutzende schaffen."

Dass die Planung und Umsetzung auch anspruchsvoller Drohneninnovationsprojekte schnell und effektiv von statten geht, ist nicht zuletzt auf die ausgezeichnete Kooperation mit der Austro Control zurückzuführen. In den letzten Monaten konnte das Team von AIRlabs in Kooperation mit dem Drohnenkompetenzzentrum der ACG relevante Praxiserfahrungen in der Detailplanung und Risikobewertung auch anspruchsvoller Drohnenflüge sammeln.

Abschließend Roswitha Wiedenhofer-Bornemann und Karl Fesl, Geschäftsführung AIRlabs Austria: „In der nahen Zukunft soll das Infrastrukturangebot von AIRlabs Austria für Drohneninnovationen - auch mit weiteren temporären Luftraumbeschränkungsgebieten in Österreich - ausgebaut werden. Unsere Vision für die Zukunft weist aber über die Grenzen Österreichs hinaus, wir wünschen uns auch viele internationale Projekte und die Einbindung in europäische Programme. Basierend auf den bisherigen sehr positiven Erfahrungen und der guten Zusammenarbeit mit unseren Fördergebern blicken wir diesen Herausforderungen optimistisch entgegen. Gleichzeitig möchten wir uns an dieser Stelle für das bisherige Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft, insbesondere bei den Kolleg:innen der Zivilluftfahrt im BMK und dem BMLV, der ACG, der FFG, dem Land Steiermark und vielen anderen involvierten Stakeholder:innen, bedanken."

 

Über Aeronautical Innovation & Research Laboratories (AIRlabs) Austria

AIRlabs Austria wurde 2020 gegründet und ist ein nicht-wirtschaftliches Innovationslabor zur Planung, Errichtung und zum Betrieb von zivilen Drohnentests in Österreich. Es wird für fünf Jahre zu 50 Prozent vom BMK im Rahmen des FFG-Programms TAKE OFF gefördert. Zugleich wird AIRlabs Austria von über 20 österreichweiten Partnern aus Industrie, Forschung und operativen Bedarfsträgern kofinanziert. Die sechs Gesellschafter der Betreibergesellschaft AIRlabs Austria GmbH sind die FH JOANNEUM, FACC, FREQUENTIS, das AIT, die FH Kärnten sowie die TU Graz. Darüber hinaus beteiligen sich relevante Stakeholder:innen wie beispielsweise SCHIEBEL, RIEGL, BLADESCAPE, TWINS, Drone Rescue, der Klima-Wind-Kanal Wien (RTA), die Universität Klagenfurt und Lakeside Labs sowie Bedarfsträger wie A1, die Post oder die Graz Holding. 

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