Buchpräsentation in der Steiermärkischen Landesbibliothek
Die Texte der steirischen Autorin Wanda von Sacher-Masoch werden erstmals vollständig publiziert.

Graz (11. März 2026).- Die Steiermärkische Landesbibliothek präsentierte heute (11.03.2026) den aktuellen Band 48 ihrer Reihe „Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek” mit dem Titel: „Wanda von Sacher-Masoch – Geistvoll, pikant, talentvoll, gesammelte Feuilletons, Kurzgeschichten, Novellen”. Damit liegen erstmals alle Texte Wanda von Sacher-Masochs vor, die sie abseits ihres Romans, ihrer Erzählbände und ihrer Memoiren verfasst hat. Dem Band liegt eine jahrelange akribische Recherche des Herausgebers Wulfhard Stahl zugrunde.
Wanda von Dunajew, Wanda von Sacher-Masoch, D. Dolorès: unter wechselnden Namen, Alias und Pseudonymen tritt die 1845 in Graz geborene Angelika Aurora Rümelin (gestorben um 1917) den Leserinnen und Lesern entgegen. Ihre sechzig bislang verstreut erschienenen Texte, Feuilletons und Kurzgeschichten werden hier erstmals gesammelt publiziert.
Viele der Texte entstanden im unmittelbaren Kontext der Tagespresse – als Gelegenheitsarbeiten, die Unterhaltung boten und zugleich zum Lebensunterhalt beitrugen. Sie sind leicht, feuilletonistisch und dem Geschmack einer breiten Leserschicht verpflichtet; einige lassen sich historisch und politisch verorten.
Diese Ausgabe versteht sich als textkritische Edition: Sie prüft die Texte ebenso wie die Person Wanda von Sacher-Masoch mit ausführlichen Anmerkungen und Hintergrundinformationen und schafft so neue Perspektiven auf das Werk. Gerade in der Vielfalt und thematischen Bandbreite treten überraschend moderne Motive hervor – insbesondere Frauenfiguren, die aus Sehnsucht, Enttäuschung oder Rachsucht handeln und Respekt wie Gleichberechtigung einfordern. So entsteht das facettenreiche Bild einer Autorin, die geschickt den Nachruhm ihres berühmten Namens nutzte – und dennoch eine eigenständige literarische Stimme fand. Gesammelt und herausgegeben wurden diese Texte von dem ausgewiesenen Spezialisten für Wanda von Sacher-Masoch, Wulfhard Stahl.
Die Steiermärkische Landesbibliothek hat in den letzten Jahren eine erhebliche Sammlung an Wanda-Ausgaben erworben und kann von sich behaupten, der Grazer Autorin nun nicht nur in der Sammlung, sondern auch mit dieser Publikation ein kleines Denkmal zu setzen.
Wanda von Sacher-Masoch (1845 - 1917?)
Die in Graz geborene Schriftstellerin Wanda von Sacher-Masoch (geb. Angelika Aurora Rümelin) veröffentlichte unter wechselnden Namen wie Wanda von Dunajew und D. Dolorès zahlreiche Feuilletons und Erzählungen in österreichischen und europäischen Zeitungen. Nach ihrer Heirat mit dem Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch (1873) etablierte sie sich als eigenständige Autorin im Umfeld der bürgerlichen Unterhaltungsliteratur und publizierte unter anderem „Der Roman einer tugendhaften Frau” (1873), „Echter Hermelin” (1879) und „Die Damen im Pelz" (1881). Nach der Trennung (1883) und Scheidung (1886) lebte sie in mehreren europäischen Städten – darunter Leipzig, Paris und München – und wandte sich mit ihren Memoiren „Meine Lebensbeichte” (1906) sowie „Masochismus und Masochisten” (1908) einer autobiografisch-psychologischen Reflexion ihres Lebens zu. Sie verstarb vermutlich 1917.
Wulfhard Stahl:
geb. 1951, Studium der Germanistik (M.A.) und Anglistik. Verschiedene Tätigkeiten im Verlagswesen; 2000-2016 Bibliothekar am World Trade Institute, Universität Bern. Veröffentlichungen über Eduard Bertz, George Gissing und Wanda von Sacher-Masoch.
Statements:
Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl:
„Die Steiermark ist reich an Geschichte, aber auch an Geschichten über Persönlichkeiten, die mit ihrem Schaffen und Wirken dazu beigetragen haben, unser Land zu dem zu machen, was es heute ist. Dass die Landesbibliothek historische Schätze für die Allgemeinheit aufbereitet und öffentlich zugänglich macht, ist ein wichtiger Beitrag, um in Vergessenheit geratene Persönlichkeiten wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rufen und an kommende Generationen weiterzugeben. Diese Publikation ist ein Beispiel, wie das Werk einer Autorin, die zumeist auf ihre Rolle als Ehefrau des berühmten Leopold von Sacher-Masoch reduziert wird, einen selbstständigen Status erhalten kann. Im breiten Bewusstsein ist sie nicht existent, mit der Publikation ist nun jedenfalls für die Wissenschaft aber auch Interessierte alles, was bisher an ‚Geschichten’ bekannt ist, zugänglich und nachzulesen. Herrn Stahl ist für seine akribische Sammlungstätigkeit in den Archiven und Bibliotheken in Österreich und Deutschland sowie in den soweit online zugänglichen digitalisierten Zeitungsbeständen zu danken – ohne diesen unermüdlichen Forschergeist wäre diese Publikation nie entstanden.”
Katharina Kocher-Lichem, Leiterin der Steiermärkischen Landesbibliothek:
„Im März 2020 sollte in der Landesbibliothek eine Ausstellung zu Wanda von Sacher-Masoch anlässlich ihres 175. Geburtstages eröffnet werden. Diese Ausstellung musste wegen des ersten Corona-Lockdowns abgesagt werden. Wanda blieb aber stets präsent und ich freue mich, dass es nun anlässlich ihres bald 181. Geburtstages am 14. März 2026 gelungen ist, diese Publikation in der Reihe der Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek herauszubringen.”
Wulfhard Stahl, Herausgeber:
„Die Recherchen zu Wanda von Sacher-Masoch glichen mitunter einer Reise nach Serendip – Unverhofftes, Abwegiges, Überraschendes war zu finden und lohnte die lustvolle Anstrengung, das Sitz- und Stehvermögen während etlicher Bibliotheksbesuche. Das Ende jener Reise markiert der heute der Öffentlichkeit vorgestellte Band: Dank der Förderung der Steiermärkischen Landesbibliothek, vertreten durch deren Leiterin Katharina Kocher-Lichem, dank des Engagements des Leykam Universitätsverlages, vertreten durch Erkan Osmanović, vor allem dank der gestalterischen Künste Robert Rothschädls liegen nun sechzig Texte der aus Graz stammenden Autorin in einer attraktiven Ausgabe vor. Über alles Weitere entscheidet eine neugierige Leserschaft.”
Erkan Osmanović, Ph.D., Programmleiter Wissenschaft beim Leykam Universitätsverlag:
„Es ist uns ein besonderes Anliegen, mit dieser textkritischen Edition einen neuen, wissenschaftlich fundierten Blick auf das vielschichtige Werk von Wanda von Sacher-Masoch zu ermöglichen. Diese Sammlung beweist eindrucksvoll, dass sie weit mehr war als die Frau an der Seite eines berühmten Mannes – nämlich eine eigenständige und überraschend moderne literarische Stimme.”
Das Werk ist als Band 48 der Veröffentlichungen der Steiermärkischen Landesbibliothek im Leykam Universitätsverlag erschienen und im gut sortierten Buchhandel zum Preis von 34,95 Euro erhältlich.
Für Rückfragen steht Katharina Kocher-Lichem unter 0316/877-4601 oder katharina.kocher-lichem@stmk.gv.at gerne zur Verfügung.
Graz, am 11. März 2026
Kommunikation Land Steiermark-Aussendungen unter E-Mail: kommunikation@stmk.gv.at
zur Verfügung.

